Jean-Paul Kühne: Untergangszenarien als Unterbrechung des kommunikativen Zusammenhangs. Antwort auf J.J. Korff: Wie Untergangsszenarien die Kommunikation stören
Das beschwören von „Untergangszenarien“ dient nicht nur dem Herbeiführen einer Entscheidungssituation, sondern ist auch das Einfallstor, von „der Natur“ zu sprechen. Ich erinnere mich an einen Werbeslogan, der lautete: Die Natur braucht uns nicht, aber wir brauchen die Natur. Auch, wenn der Spruch von gestern ist, die Vorstellung von „der Natur“ steckt uns in den Knochen. Wir stellen uns Natur vor. Aber die Natur selbst sehen wir nicht. Die Natur ist ein Begriff. Die Natur geht auch nicht unter. Es sind die Szenarien des Untergangs, die uns vor Augen stehen, von denen Jens Jürgen Korff spricht. Untergangsszenarien, die das zerstören, was sie zu erhalten vorgeben. Sie meinen; Herr Korff, den kommunikativen Zusammenhang, den wir brauchen, um diese Welt und uns Menschen als „Teil der Natur“ zu erhalten. Wir sprechen von Kommunikation. Martin Buber würde in seiner Dialogphilosophie vielleicht eher vom Gespräch sprechen (vgl. www.mb-today.de).
All das legt nah, „Natur als Subjekt“ zu begreifen. Wie im Dialog stehen sich gleichberechtigte Partner gegenüber. Erst zögernd begreifen wir, die Natur als Subjekt mit eigenen Ansprüchen und Bedürfnissen zu sehen. Das landläufige Verständnis geht heute vom „Allvertretungsanspruch“ der Natur aus, der aber in der Realität das Subjekt torpediert und damit die Kommunikation zerstört. Die Depression, die uns ergreift, wenn wir uns intensiv mit dem Untergang befassen, hat auch in der „gestörten“ Kommunikation, die Auswegslosigkeit signalisiert, seinen Grund. Die Binsenweisheit, dass das Subjekt immer auch in seiner Wahrnehmung des Objekts selbst steckt, ist wahr. Mit diesem Vertretungsanspruch wird die Natur verdinglicht, d.h. zur Sache. Subjekt meint so gut wie das Gegenteil. Es bedeutet: ‚aus eigenem Recht‘. Das hat nicht zuletzt ethische Konsequenzen. Eine Konsequenz ist „Bescheidenheit“, wie Korff das treffend nennt. Die Zielstellung dabei ist, dialogfähig zu werden, das Gegenteil von Sich-Anmassen und Sich-Aufblasen. Dies schliesst an zentrale Begriffe der Erkenntnisphilosophie Rainer Dyckerhoffs an. Das Subjekt existiert nur als wahrheitsfähiges Subjekt oder garnicht.