mb-today.de: OEKO DIALOG

Ideenküche Welcome!

‚Ideenunternehmer‘ sind gefragt, wenn uns Transformationen und Aufbrüche in Atem halten. „Lösungs- und Problemunternehmer“ aber sind gebunden an die Rahmenbedingungen innerhalb derer sie Probleme lösen.  Zudem wird die „unüberwindliche Komplexität“ der Gesamtsituation zum Hindernis (vgl. Marc Molders, Die Weltverbesserer Dlf).

Barrieren im Einzelnen:

  • Eine bremsende Vielzahl an Optionen wäre zuerst zu nennen zudem
  • Micro- und Nanostrukturen, die zunehmend ins Blickfeld von Forschung und Anwendung rücken; damit verbunden ist eine mangelnde Anschaulichkeit ferner
  • Material, das diverse Funktionen anbietet. Ein Beispiel unter vielen: Pilze dienen a) als Nahrungsmittel b) als Technik-Werkstoff, bspw. für den Bau (https://www.dabonline.de/bautechnik/bauen-pilzen-myzel-steine/).

Generell sind technologische und organisatorische Strukturen für sich also wenig geeignet, wirksam ‚ins Rad‘ zu greifen. Das ist laut Marc Molders eher möglich durch eIne „Alchemie“ aus „Ausdruck, Andeutung, Verbindung, Emotionen, Geschichten, Lebensvorbildern“. (Marc Molders, Die Weltverbesserer Wie Organisationen um die Lösung großer Krisen konkurrieren Dlf [02.02.26] Essay und Diskurs). Ein interessantes Wort in diesem Kontext: Alchemie. Molders meint damit chemische Verbindungen, die nicht kausal eindeutig rückführbar sind  und schon dadurch zu einer „Denkreise“ einladen (Marc Molders a.a.0.). Für Molders sind dies „Methoden des Ideenunternehmers“, die fundamental Menschliches zum Ausdruck bringen. Denn der Mensch wird dadurch selbst zum Werkzeug. „Ideaplex“ nennt das Molders mit einem an Cineplex erinnernden Begriff, wenn Prozesse der Ideenfindung mit deren Verbreitung zusammenschmelzen (Molders a.a.O.).

Folgen Sie mir bitte in die Küche! Wir müssen nicht den Begriff der wissenschaftlich fundierten  Molekularküche bemühen, der explzit auf biochemischen und physikalisch-chemischen Prozessen aufbaut, wie das Restaurant EL BULLI (vgl. http://kuirejo.de/tag/el-bulli/). Es genügt ein Blick in die Standardküche von heute. Wo’s kocht, gart, schmort und dampft. Wo die Sinne selbst das Ergebnis kommentieren. Wo Geist und Geschmack auf der Zunge ‚zergehen‘. Wo Eingelegtes Unausgegorenes, Unverfrorenes einzigartige Symbiosen eingehen. Wo der Mensch alles Mögliche, nicht nur seinen Senf, dazugibt. Wo Ideen munter gemixt werden und beim Kochen und Abschmecken ständig neu entstehen.

Trotzdem: Sieht das nicht etwas komisch aus, auf dem Teller? Der philosophische Ansatz neben der Novelle Creative Cuisine! Alles erlaubt! So schallt es uns aus der Küche entgegen. Martin Bubers Votum für das Gespräch als Prozess wird im Küchen-Alltag praktisch erfahrbar. Gespräch ist für Buber aktiver Teil der Lösung, nicht nur sprachliche Begleitung. Bubers Gesprächsphilosophie, die sein Gegenüber ernstnimmt, bietet ein weites Feld an Themen  und Anhaltspunkten. Buber hat, launig formuliert, „in jeden Topf“ geguckt. Das Gespräch, die mündliche Äusserungsform, erweist sich dabei als nicht ersetzbar. Das gilt gerade in der Demokratie: Spontane Beiträge, zündende Gedanken, strukturiert zur Diskussion Gestelltes prägen Gesprächsklima, -verlauf und -dynamik. Wer daran Zweifel hat, hat Zweifel am Beziehungscharakter des Gesprächs. Welcher Einwand wird zum Gamechanger? Welche Worte verändern schlagartig das Gesprächsklima?

Aus Bubers Gesprächsverständnis wird seine ethisch-moralische Begründung sichtbar, auch wenn er sich die Formulierung „Moralische Tatsachen“ (Markus Gabriel) als Ausdruck eines „moralischen Realismus“ nicht zu eigen machen würde (vgl. https://www.chbeck.de/gabriel-moralische-tatsachen/product/38808808). Buber bietet den grösseren Rahmen eines (interreligiösen) Humanismus ohne sich konfessionell festzulegen.  

Und was heisst das jetzt für den kreativen Ideenkoch?

  • Sich frei an vorhandenen Rezepten bedienen!
  • In der Kürze liegt die Würze!
  • Nach Herzenslust kombinieren und experimentieren!

Gerade Lust und Anregungen zählen. Kontraste schärfen das Geschmackserlebnis und bringen die Geschmacksmodule auf Trab. Nur, wenn’s die Verträglichkeit arg strapaziert, erlaubt sich der Autor eine Manöverkritik. Die Rezeptvorschläge bleiben allen zugänglich und berechtigen zu den schönsten Kreationen! Ideen kommen. Sie kommen auf uns zu. Es denkt sich gut in Gesellschaft! Wider die Einsamkeit der Einhörner! Lang leben die „Communicorns“ (Molders a.a.O.) !