mb-today.de: OEKO DIALOG

Face to face: KI, eine Frage der Wahrheit, die sich allen stellt, die mit ihr arbeiten

Die KI simuliert ein Gespräch/Dialog. Du fragst sie. Da stellt sich vor allem eine Frage: Ist es die richtige? Fragen geht ihnen etwas voran: Ein Eindruck, eine Behauptung, eine Wissenslücke. Die KI gibt Antwort, du stellst Fragen. Vielleicht statt der, die dich wirklich umtreibt.

Im intensiven Gespräch nähert man sich der Wahrheit. Keiner hat völlig und grundsätzlich recht. Der Anspruch auf Wahrheit wird im Dialog-Prozess konkretisiert und durchgefochten. Franz Rosenzweig, Philosoph und kongenialer Partner von Martin Buber, sagt über das Gespräch , es „weiß nicht im voraus, wo es herauskommen wird; es lässt sich seine Stichworte vom andern geben“ (Rosenzweig zitiert nach Volker Demuth: Heiteres Mäandern. Über Vorzüge des geschwungenen Lebens. DLF (14.12.2025); https://www.deutschlandfunk.de/heiteres-maeandern-100.html). „In jedem Moment kann es irgendwo Anstoß und eine andere Richtung nehmen. Gespräche schlingern, schwingen, mäandern, was einen linearen Ablauf ausschließt … .“, so Demuth weiter (Demuth o.a.O.).

Damit wird klar, warum viele von uns um Gespräche „einen Bogen“ machen. Es ist zu unberechenbar. Es kann eine Wendung nehmen, die einem nicht gefällt. Man wird ertappt. Oder fühlt sich jedenfalls so. Mit der KI kann es ähnlich sein. Anfangs fasziniert die Eindeutigkeit, aber die ist oft vordergründig und unbeständig, gebunden an den KI-Anbietert noch dazu den Zeitpunkt der Abfrage. Deshalb nenne ich bis auf weiteres KI, Künstliche Intelligenz, auch gKI, gesamtkünstliche Intelligenz. Weil nicht nur Details gefälscht, sondern das ‚Gesamtbild‘ verfälscht wird. Das umfasst dann die Identität der Personen, weiter die Bedingungen, unter denen es geschieht somit alle Details mit Aussagekraft. Sprich: die Gesamtaussage. Schon allein deshalb ist der Umgang mit der KI eine Frage der Wahrheit.

Jeder muss für sich entscheiden, wo Fälschung und Lüge letztlich das Gesamtbild verfälschen. Weder Verharmlosung noch Dämonisierung ist die Lösung. Aber es gibt die Chance, die Sensoren der Wahrnehmung so zu verfeinern, dass wir reale Bedrohungen registrieren ohne Gefährdungen zu dramatisieren. Die vier Risikostufen des EU AI Act (Artificial Intelligence Act) von minimal über gering, hoch bis unvertretbar bedürfen ständiger Feinjustierung.  

Warum werden Fälschungen und Verfälschungen für uns überhaupt zu einem solchen Problem? Vieles liesse sich unproblematisch klären. Interesse an einer Lösung und eigener Vorteil stehen Pate.  Es ist der Wunsch, etwas Besonderes zu sein und darzustellen, „der Wunsch, etwas Besonderes zu besitzen“ heisst es im Kommentar über den „genial-erfolgreichen Bilderfälscher Wolfgang Beltracchi. Einen CampendonkMax Ernst, Fernand LégerMax Pechstein fälschte er über Jahrzehnte so perfekt, dass er gar nicht wusste, wohin mit den Millionen (True Art Crime – Verbrechen in der Kunst Film von Corinna Hobig, Ole Siebrecht 3sat 2025, https://www.zdf.de/play/dokus/true-art-crime–verbrechen-in-der-kunst-movie-100/true-art-crime-verbrechen-in-der-kunst-100). Kein Experte hat es gemerkt. Ein Vorgang, der nur durch einen Akt „visueller Empathie“ erklärbar ist. Solch ein Bild, das in puncto Wahrheit verführen will, auch immer wieder verführt hat, ist die Zukunft. Aber warum handeln wir so? Eine Antwort: Wir wollen zu gern glauben, dass dies oder jenes die Zukunft ist. Und übersehen die „kleinen“ Webfehler. Hinterher ist dann klar: Wie konnte ich! Oder: Ich versteh mich selbst nicht