Face-to-face: Charlie
Wir kennen den Clown Charlie. Den mit den riesigen Schuhen, dem Stöckchen, dem Bärtchen und der Melone. Kinder kennen ihn. Kinder lachen über ihn. Wie sie im Zirkus lachen. Der tolpatschige Clown wird fortan begleitet vom gewitzten Clown, der Autoritäten narrt, ihnen immer wieder entwischt, und sei es durch die Lücke im Lattenzaun.
Erwachsene kennen dann auch den sozialkritischen Charlie, der mehr Opfer als Täter ist, und durch die Mühle der industriellen Arbeitsverhältnisse gedreht wird.
Der politische Charlie schliesslich findet sein Gegenüber ausgerechnet im grossen Diktator Hitler. Den Protagonisten der Rassentrennung karikiert er in seiner ässerlichen Ähnlichkeit mit der Figur Charlie. Was für Charlie mutige Anverwandlung ist, ist für den grossen Diktator todeswürdige Anmassung.
Aus dieser Handlung des Films tritt Charlie Chaplin mit einer Rede heraus, die über die Massen bekannt, ja berühmt, wurde. Er hält diese Rede als jüdischer Friseur, der mit dem Diktator verwechselt wurde. (Text: https://weites.land › der-grosse-diktator-die-beruehmte-rede-charly-chaplin; Youtube Schlussrede Der grosse Diktator).
Gleich zu Anfang die Sätze: „Wir wollen nicht hassen und uns nicht gegenseitig verachten. In dieser Welt gibt es Raum für alle, und die gute Erde ist reich und vermag einem jeden von uns das Notwendige zu geben.“ In aller Direktheit packt Charlie so die Stiere Hass und Neid „bei den Hörnern“, so dass auch Kinder es verstehen.
Chaplin war Medienprofi. Wenn er Armut (Hunger) und Mitleid (Blumenmädchen) thematisiert, scheut er die sozialromantische Darstellung nicht, überspielt sie andererseits aber auch und macht aus dem Hungerleiden eine Feinschmeckerszenerie. Chaplin beherrscht die Mittel und Mechanismen der künstlerischen Darstellung. In der Doppelrolle Friseur und Nazi steigt er diesen beiden Rollen aus. Gerade der doppelte Ausstieg macht ihn glaubwürdig und befreit die Rede von aller Professionalität. Chaplin hat den Film selbst finanziert.