Gesprächsführung: Wie kommt man ins Gespräch?
Zunächst dadurch, dass ich dem anderen, dem Gesprächspartner, gegenübertrete. ‚Aug in Aug‘ sagt der Volksmund. Dies Gegenübertreten ist entscheidend. Ich nehme den Anderen in seinem Gesamtbild wahr. Dann kann der Andere schrumpfen in meinen Augen oder auch an Statur gewinnen. Je mehr ich vom anderen wahrnehme, desto mehr sehe ich von mir in Ihm. „Der Mensch wird am Du zum Ich.“ Dies Gegenübertreten liegt oft schon vor dem Gespräch. Nur im Denken freie Menschen können das. Freie Menschen treten anderen anders gegenüber als unfreie. Eine Überzeugung ist das, die vor der Argumentation stattfindet. Wie ich dann formuliere, die Worte setze, hat damit zu tun, dass ich in denen, die es lesen, Menschen sehe, die sich umfänglich von mir angesprochen sehen.
Diese Wahrnehmung, die im Gegenübertreten entsteht, ist entscheidend, dann kommt erst das jeweilige Thema, die Gesprächsmethode, die Psychologie, soziale oder philosophisch-ethische Gesichtspunkte. Das macht Buber zu einem Vor-Bild und Partner. Wir finden unsere Vor-Stellungen wieder. Dabei wissen wir aus Erfahrung: Darunter könnten auch Projektionen sein. Diese enttarnen sich allerdings weil sie letzlich keine Resonnanz finden, in uns oder im Gegenüber.
Entsteht aber Resonnanz, kommt es zum Dialog. Das heisst: Mich interessiert etwas am Anderen, ohne dass ich immer genau weiß, was. Dadurch kommt es vielfach erst zur Sprache: Angesprochen werden – gemeint sein – innere Zwiesprache – äussere Zwiesprache also Dialog. Eine Sprache formt sich in uns – misst den Worten bestimmte Bedeutung zu. Es entsteht ein Dialog zwischen den an mich herangetragenen Bedeutungen und meinen Auffassungen.