mb-today.de: OEKO DIALOG

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13. Januar 2026
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Dieser Blog hat es mit interreligiöse Ansätzen in der Ökologie zu tun.  bei vielen Begriffe, die ein „inter“ in sich oder vor sich hertragen, hat man sich darüber verständigt, wie die zu verbindenden Hauptbestandteile wahrgenommen, begriffen und eingeordnet werden.

Immer mehr Menschen engagieren sich in der Ökologie und im Umweltschutz. Sie tun dies mit ihren Motivationen und Hintergründen. Nicht wenig davon sind religiös fundiert und grundiert. Das gilt auch dann, wenn wir uns dessen gar nicht mehr bewusst sind.

Wahrscheinlich fällt auf, dass ich Inter-Religiosität entgegen der Rechtschreibregeln mit Bindestrich schreibe. Warum?  Bei vielen Begriffen, die ein „inter“ in oder zwischen sich tragen, scheint es mir angemessen, die zu verbindenden oder zu trennenden Hauptbestandteile deutlich wahrzunehmen.

Ein weiteres Beispiel wäre „Intersubjektivität“, die auch mit Fug und Recht einen Bindestrich beanspruchen kann. Das ist nicht untypisch auch für interreligiös Interessierte: Sie sehen einfach bestimmte Dinge anders. Und: Sie denken gar nicht dran, das zu ändern. 

Oft genannte Beispiele: 1. Inter-Subjektivität 2. Inter-Personalität. Mein Beispiel: Inter-Religiosität

Bei „Inter“Religiosität ist zum Beispiel Einigkeit darüber erzielt worden, um was es geht, wie es einzuordnen ist, schließlich, was Religiosität heißt: Interreligiösen Akteuren geht es um Gemeinsames in Religion und Glaube.

Allerdings bestehen sie nicht weniger hartnäckig auf bislang unbeachteten oder unterbewerteten Gemeinsamkeiten, die Religiosität und religiöse Überzeugungen mitunter in ganz neuem Licht erscheinen lassen. Aber: Je grösser der Konsens, desto pointierter das Feindbild. Deshalb kommt der Blog auch nicht darum herum, das Verhältnis von Religiosität und Antisemitismus zu berühren. Mein Blog kreist sodann um das Verhältnis von Religiosität und Antisemitismus. Antisemitismus ist in vielen Fällen, so schmerzlich das ist, ein Erbe religiöser Traditionen. Wird Gemeinsames thematisiert, ist Abgrenzung nicht weit.

Antisemitische Feindbilder gehen bis in das körperliche Detail: Das Gesicht, die Haltung, der Gang. Ersparen Sie mir Details, ich bin ziemlich sicher, sie stehen uns vor Augen. Nicht zuletzt deswegen kam ich dazu, auch die positive Orientierung stärker zu personalisieren. Denn es sind ja Personen, die religiöse Haltungen und Überzeugungen verkörpern. Und vieles verliert, sobald es den Horizont der persönlichen Sphäre verlassen hat, seine Überzeugungskraft. Von Eifer, Empathie, Enthusiasmus ganz zu schweigen. Daher hat sich für meinen Blog über Gespräch und Dialog das (Zwie-) Gespräch mit einem wie Martin Buber angeboten, dessen gesamtes berufliches und privates Leben von der Auseinandersetzung über Gesprächsfähigkeit und Dialog geprägt war. Und zwar unter denkbar widrigen Umständen: Nationalismus, Rassismus und Verfolgung. In dieser Zeit war und blieb Martin Buber ein namhafter Pionier auch und gerade der Interreligiosität. Namhaft, vor allem deswegen, weil er als Philosoph und Intellektueller keinem Disput aus dem Wege ging. Ob es um Rassismus, Migration oder religiöse Perspektiven ging. Vor diesem Hintergrund versteht man besser, dass dieser Nährboden besonders fruchtbar ist, wenn es um Interreligiosität geht. In Wien geboren, in Lemberg  (Ukraine) aufgewachsen, studierte Buber u.a. in Wien, Berlin, lehrte dann an der Universität Frankfurt und nach seiner Flucht (1938) an der von Jerusalem.

Gesprächsführung: Wie kommt man ins Gespräch?

Zunächst dadurch, dass ich dem anderen, dem Gesprächspartner, gegenübertrete. ‚Aug in Aug‘ sagt der Volksmund. Dies Gegenübertreten ist entscheidend. Ich nehme den Anderen in seinem Gesamtbild wahr. Dann kann der Andere schrumpfen in meinen Augen oder auch an Statur gewinnen. Je mehr ich vom anderen wahrnehme, desto mehr sehe ich von mir in Ihm. „Der Mensch wird am Du zum Ich.“ Dies Gegenübertreten liegt oft schon vor dem Gespräch. Nur im Denken freie Menschen können das. Freie Menschen treten anderen anders gegenüber als unfreie. Eine Überzeugung ist das, die vor der Argumentation stattfindet. Wie ich dann formuliere, die Worte setze, hat damit zu tun, dass ich in denen, die es lesen, Menschen sehe, die sich umfänglich von mir angesprochen sehen.

Diese Wahrnehmung, die im Gegenübertreten entsteht, ist entscheidend, dann kommt erst das jeweilige Thema, die Gesprächsmethode, die Psychologie, soziale oder philosophisch-ethische Gesichtspunkte. Das macht Buber zu einem Vor-Bild und Partner. Wir finden unsere Vor-Stellungen wieder.  Dabei wissen wir aus Erfahrung: Darunter könnten auch Projektionen sein. Diese enttarnen sich allerdings weil sie letzlich keine Resonnanz finden, in uns oder im Gegenüber.

Entsteht aber Resonnanz, kommt es zum Dialog. Das heisst: Mich interessiert etwas am Anderen, ohne dass ich immer genau weiß, was. Dadurch kommt es vielfach erst zur Sprache: Angesprochen werden – gemeint sein – innere Zwiesprache – äussere Zwiesprache also Dialog. Eine Sprache formt sich in uns – misst den Worten bestimmte Bedeutung zu. Es entsteht ein Dialog zwischen den an mich herangetragenen Bedeutungen und meinen Auffassungen.

In der Religion sind Juden und Christen Geschwister

Aus religioes unberufenem Munde erschallt immer wieder der Ruf nach Einheit. Tatsächlich aber tut man alles, dadurch dass der Mensch sich konfessionell in die Brust wirft, um Einheit gar nicht erst zustande kommen zu lassen.

Dabei sind wir doch Geschwister! Wir kommen aus einem Haus, dem Judentum. Die Visionen und Verheissungen christlicher Prägung beziehen sich auf die gemeinsame Schrift, die wir Bibel nennen. Um es tiefer zu hängen: Wie Geschwister, die einen Vater haben, rangeln wir um die Liebe Gottes Indes: Vollmundige Erklärungen gibt es zuhauf. Was fehlt: das Ende des Brudermords und Frieden.

Aber es ist wie unter Geschwistern in einer Familie. Unversöhnlich tritt man sich, wo immer es geht, in die Hacken. Keine Religion hängt die Liebe höher und hat doch während der letzten 2000 Jahre eine Blutspur des Hasses hinterlassen. Heisst das: Unsere Zukunft ist unsere Vergangenheit? Ja, das heisst es. Und damit die Verheissungen auch wahr werden, braucht es jetzt mehr als Erklärungen. Die können andere auch. Wir aber sind Verwandte! Unsere Hoffnung wird durch Menschen verwirklicht.

Dieser Artikel kommt ohne Zitate von Martin Buber aus. Dafür ist der ganze Artikel ein Zitat.

Apropos: Muslime und alle und viele andere kommen hier nicht vor. Buber hat sich aber schon ganz zu Anfang seines Schaffens dem ganzen religiösen Kosmos, z.B. dem chinesischen zugewandt. Buber war Wissenschaftler aber auch durch Biografie und Leiden ein persönlich zutiefst Berührter.  Kein Zitat, sagte ich. Dafür hier alle auf einmal:  Albert Raffelt, Das Jesusbild Martin Bubers , Buber_bibliothek.pdf, Foxit PDF Reader       

Oeko Dialog

So kann’s kommen: Da bewegt man sich monate, nein jahrelang, routiniert durch eine hehre Begriffswelt und dann machts bumm oder wow (je nach Muttersprache). Bei den einen schlägt es „wie eine Bombe“ oder es geht einem ein Licht auf. Nichts weniger als ein Schöpfungsakt. Dieser Akt, diese Bombe heisst: Oeko-Dialog. Alles drin in diesem Dialog: Die ganze Umwelt, das heisst, die ganze Welt. Kommunikation mit allem, was in der Welt ‚kreucht und fleucht‘, um dann ‚plötzlich und unerwartet‘ alles in neuem Licht erscheinen zu lassen.

Deshalb hat es nicht wenige Beiträge gebraucht bis der Oeko-Dialog nach diverser Annäherung auch bei mir mit voller Wucht eingeschlagen ist. Deswegen steht dieser Artikel ganz oben in der Kategorie Blog, in dem es ja um die letzten d.h. handlungsentscheidenden Gedanken geht. Während der zur gleichen Zeit notierte Titel (26.05.2025) Hass, Konkurrenz und Religion ganz unten in der Kategorie Moseskorb steht, wo wir ja mit unseren Resultaten Zug um Zug, Tat um Tat, gelandet sind. Religionen haben diverse Haltungen zur Umwelt. Die Umwelt-Spiritualität im Überblick: https://www.deutschlandfunkkultur.de/klimaschutz-religion-natur-100.html.

Ökologie wird im Judentum als Prozess (der Heilung) gedacht. „Gelehrte Rabbiner haben immer wieder darauf hingewiesen, dass damit die Aufgabe verbunden ist, am ethischen Prinzip des „Tikkun Olam“ – der Heilung der Welt – mitzuwirken.“ [….] Da fällt mir doch als gelernter Christ die Rede von der Bewahrung der Schöpfung ein. Bewahren aber hat etwas vom Erhalten, wie es ist. Das bedeutet, vom Ist-Zustand zumindest auszugehen. Heilung der Schöpfung dagegen ist ein Prozess wie Dialog, wie Kommunikation. Ein Kommunikationsprozess, der nirgends anfängt, nirgends aufhört. Menschen  leben in Übergängen, unsere Lebensweise ist die des Übergangs, Menschen sind Übergangswesen, die Welt ist eine des Übergangs. Und so finden wir uns mitten in einem dialogischen Welt- und Lebensprozess wieder. Da braucht es keine abgehobene Esoterik. Wir sind mittendrin, in der Natur, im Kommunikationsgeschehen, werden angesprochen. „Bruder Sonne“, „Schwester Mond“ sind keine romantischen Phrasen sondern Gesprächspartner und längst nicht auf den Sonnengesang des Franz von Assisi beschränkt. Quintessenz des Oeko-Dialogs: Es geht ums „mit“, weniger ums „für“.  Alles ist in der Lage, mit uns und zu uns sprechen. In der Vorstellung von Heilung- und Übergang steckt die Vorstellung der Natur als Gegenüber.