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12. Februar 2026
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Dieser Blog hat es mit interreligiöse Ansätzen in der Ökologie zu tun.  bei vielen Begriffe, die ein „inter“ in sich oder vor sich hertragen, hat man sich darüber verständigt, wie die zu verbindenden Hauptbestandteile wahrgenommen, begriffen und eingeordnet werden.

Immer mehr Menschen engagieren sich in der Ökologie und im Umweltschutz. Sie tun dies mit ihren Motivationen und Hintergründen. Nicht wenig davon sind religiös fundiert und grundiert. Das gilt auch dann, wenn wir uns dessen gar nicht mehr bewusst sind.

Wahrscheinlich fällt auf, dass ich Inter-Religiosität entgegen der Rechtschreibregeln mit Bindestrich schreibe. Warum?  Bei vielen Begriffen, die ein „inter“ in oder zwischen sich tragen, scheint es mir angemessen, die zu verbindenden oder zu trennenden Hauptbestandteile deutlich wahrzunehmen.

Ein weiteres Beispiel wäre „Intersubjektivität“, die auch mit Fug und Recht einen Bindestrich beanspruchen kann. Das ist nicht untypisch auch für interreligiös Interessierte: Sie sehen einfach bestimmte Dinge anders. Und: Sie denken gar nicht dran, das zu ändern. 

Oft genannte Beispiele: 1. Inter-Subjektivität 2. Inter-Personalität. Mein Beispiel: Inter-Religiosität

Bei „Inter“Religiosität ist zum Beispiel Einigkeit darüber erzielt worden, um was es geht, wie es einzuordnen ist, schließlich, was Religiosität heißt: Interreligiösen Akteuren geht es um Gemeinsames in Religion und Glaube.

Allerdings bestehen sie nicht weniger hartnäckig auf bislang unbeachteten oder unterbewerteten Gemeinsamkeiten, die Religiosität und religiöse Überzeugungen mitunter in ganz neuem Licht erscheinen lassen. Aber: Je grösser der Konsens, desto pointierter das Feindbild. Deshalb kommt der Blog auch nicht darum herum, das Verhältnis von Religiosität und Antisemitismus zu berühren. Mein Blog kreist sodann um das Verhältnis von Religiosität und Antisemitismus. Antisemitismus ist in vielen Fällen, so schmerzlich das ist, ein Erbe religiöser Traditionen. Wird Gemeinsames thematisiert, ist Abgrenzung nicht weit.

Antisemitische Feindbilder gehen bis in das körperliche Detail: Das Gesicht, die Haltung, der Gang. Ersparen Sie mir Details, ich bin ziemlich sicher, sie stehen uns vor Augen. Nicht zuletzt deswegen kam ich dazu, auch die positive Orientierung stärker zu personalisieren. Denn es sind ja Personen, die religiöse Haltungen und Überzeugungen verkörpern. Und vieles verliert, sobald es den Horizont der persönlichen Sphäre verlassen hat, seine Überzeugungskraft. Von Eifer, Empathie, Enthusiasmus ganz zu schweigen. Daher hat sich für meinen Blog über Gespräch und Dialog das (Zwie-) Gespräch mit einem wie Martin Buber angeboten, dessen gesamtes berufliches und privates Leben von der Auseinandersetzung über Gesprächsfähigkeit und Dialog geprägt war. Und zwar unter denkbar widrigen Umständen: Nationalismus, Rassismus und Verfolgung. In dieser Zeit war und blieb Martin Buber ein namhafter Pionier auch und gerade der Interreligiosität. Namhaft, vor allem deswegen, weil er als Philosoph und Intellektueller keinem Disput aus dem Wege ging. Ob es um Rassismus, Migration oder religiöse Perspektiven ging. Vor diesem Hintergrund versteht man besser, dass dieser Nährboden besonders fruchtbar ist, wenn es um Interreligiosität geht. In Wien geboren, in Lemberg  (Ukraine) aufgewachsen, studierte Buber u.a. in Wien, Berlin, lehrte dann an der Universität Frankfurt und nach seiner Flucht (1938) an der von Jerusalem.

Face to face: Walter Benjamin-Messias contra Apokalypse

Zum 2. Mal also Walter Benjamin. Das 1. Mal war vom Abschied die Rede [Mein Beitrag: Übergangszone und Grenzgebiet: Küste. Walter Benjamin, Gedächtnis der Namenlosen https://mb-today.de/moseskorb/). Jetzt, in diesem Beitrag, ist Wiederkehr das Thema und ein nicht-linearer Zeitbegriff (https://mb-today.de/moseskorb/). Benjamin kritisiert damit die bürgerliche Geschichtsschreibung derzufolge „die Geschichte der Menschheit ein evolutiver Prozess ist, stetig nach vorn laufend“ (Christian Modehn, Walter Benjamin und der Messias; https://religionsphilosophischer-salon.de/keys/walter-benjamin-und-der-messias). Dieser linear gedachten  Zeit stellt Benjamin das „Eingedenken“ gegenüber, das an einzelne tiefer gehende Erfahrungen und Erlebnisse anknüpft, was ein anderes Geschichtsverständnis zur Folge hat, eines, das mit Hoffnung auf Erlösung, eben dem „messianischen Gedanken“, zu tun hat (Modehn a.a.O.). In ihm kommt zum Ausdruck, dass Benjamin von der „Steuerung“ des undogmatischen „historischen Materialismus“, dem er anhing, durch eine der jüdischen Heils- und Messiaserwartung verbundenen Hoffnung ausging (Modehn a.a.O.). Dies ist mithin die Gegenthese zur weit verbreiteten Vorstellung einer unentrinnbaren apokalyptischen Endzeit, der wir entgegengehen. Ich selbst erinnere mich an einen plakativen Fortschrittsglauben, angefacht durch Bildbände, wie Die Wunderbare Welt, passend als Weihnachtsgeschenk für Jugendliche. Phantasien, wie die Zukunft aussehen könnte, wurden vereinnahmt als die Zukunft, und das gegenüber einer Bevölkerung, hinter der lange Geschichte von Not und Kriegen lag. Die Enttäuschung war umso grösser. Sie befeuerte apokalyptische Vorstellungen darunter viele Verschwörungstheorien. In Walter Benjamin, aus einer assimilierten jüdischen Familie des Berliner Großbürgertums stammend, lebte die jüdisch-christliche Hoffnung auf den Messias, die allen Menschen galt.

Benjamin interessierte sich für „allegorische“ Bilder“ wie beispielsweise das „bucklicht Männlein“, ein Bild für unansehnliche, abgelehnte Triebkräfte, die aber die Dynamik des Geschichtsprozesses versinnbildlichen. Ein anderes Bild für sich als Philosoph fand Benjamin im „Lumpensammler“ , der „Redelumpen und Sprachfetzen“ aufspiesst, um sie unter den Stichworten ‚Menschentum‘, ‚Innerlichkeit‘, ‚Vertiefung‘ seiner Sammlung hinzuzufügen (Astrid Nettling, „Ich pflücke Blumen am Rande des Existenzminimums“ DLF (26.09.2010). Direkter kann man Kritik an den „Meisterdenkern“, denen es zuerst um Systematik und System geht, kaum formulieren (André Glucksmann, Die Meisterdenker Reinbek bei Hamburg 1978). Das „bucklicht Männlein“ war für Walter Benjamin zunächst der zeitgenössische Sozialismus. Bemerkenswert ist, dass dieser Sozialismus für den `Undogmatiker´ Benjamin hier zum Träger einer positiver Geschichtsdeutung wird. Mit dogmatischem Glauben hat das nichts zu tun. Es geht nicht um ein Lehrgebäude, sondern den „Spalt, durch den der Messias eintritt“ und der aus einer „totalen Gegenwart“ führt (Hans-Willi Weis, Hubertus Thomasius:  Der kleine Spalt, durch den der Messias eintritt kobinet-nachrichten Kolumne (15.12.2023); https://kobinet-nachrichten.org/2023/12/15/der-kleine-spalt-durch-den-der-messias-eintritt).

Face to face: KI, eine Frage der Wahrheit, die sich allen stellt, die mit ihr arbeiten

Die KI simuliert ein Gespräch/Dialog. Du fragst sie. Da stellt sich vor allem eine Frage: Ist es die richtige? Fragen geht ihnen etwas voran: Ein Eindruck, eine Behauptung, eine Wissenslücke. Die KI gibt Antwort, du stellst Fragen. Vielleicht statt der, die dich wirklich umtreibt.

Im intensiven Gespräch nähert man sich der Wahrheit. Keiner hat völlig und grundsätzlich recht. Der Anspruch auf Wahrheit wird im Dialog-Prozess konkretisiert und durchgefochten. Franz Rosenzweig, Philosoph und kongenialer Partner von Martin Buber, sagt über das Gespräch , es „weiß nicht im voraus, wo es herauskommen wird; es lässt sich seine Stichworte vom andern geben“ (Rosenzweig zitiert nach Volker Demuth: Heiteres Mäandern. Über Vorzüge des geschwungenen Lebens. DLF (14.12.2025); https://www.deutschlandfunk.de/heiteres-maeandern-100.html). „In jedem Moment kann es irgendwo Anstoß und eine andere Richtung nehmen. Gespräche schlingern, schwingen, mäandern, was einen linearen Ablauf ausschließt … .“, so Demuth weiter (Demuth o.a.O.).

Damit wird klar, warum viele von uns um Gespräche „einen Bogen“ machen. Es ist zu unberechenbar. Es kann eine Wendung nehmen, die einem nicht gefällt. Man wird ertappt. Oder fühlt sich jedenfalls so. Mit der KI kann es ähnlich sein. Anfangs fasziniert die Eindeutigkeit, aber die ist oft vordergründig und unbeständig, gebunden an den KI-Anbietert noch dazu den Zeitpunkt der Abfrage. Deshalb nenne ich bis auf weiteres KI, Künstliche Intelligenz, auch gKI, gesamtkünstliche Intelligenz. Weil nicht nur Details gefälscht, sondern das ‚Gesamtbild‘ verfälscht wird. Das umfasst dann die Identität der Personen, weiter die Bedingungen, unter denen es geschieht somit alle Details mit Aussagekraft. Sprich: die Gesamtaussage. Schon allein deshalb ist der Umgang mit der KI eine Frage der Wahrheit.

Jeder muss für sich entscheiden, wo Fälschung und Lüge letztlich das Gesamtbild verfälschen. Weder Verharmlosung noch Dämonisierung ist die Lösung. Aber es gibt die Chance, die Sensoren der Wahrnehmung so zu verfeinern, dass wir reale Bedrohungen registrieren ohne Gefährdungen zu dramatisieren. Die vier Risikostufen des EU AI Act (Artificial Intelligence Act) von minimal über gering, hoch bis unvertretbar bedürfen ständiger Feinjustierung.  

Warum werden Fälschungen und Verfälschungen für uns überhaupt zu einem solchen Problem? Vieles liesse sich unproblematisch klären. Interesse an einer Lösung und eigener Vorteil stehen Pate.  Es ist der Wunsch, etwas Besonderes zu sein und darzustellen, „der Wunsch, etwas Besonderes zu besitzen“ heisst es im Kommentar über den „genial-erfolgreichen Bilderfälscher Wolfgang Beltracchi. Einen CampendonkMax Ernst, Fernand LégerMax Pechstein fälschte er über Jahrzehnte so perfekt, dass er gar nicht wusste, wohin mit den Millionen (True Art Crime – Verbrechen in der Kunst Film von Corinna Hobig, Ole Siebrecht 3sat 2025, https://www.zdf.de/play/dokus/true-art-crime–verbrechen-in-der-kunst-movie-100/true-art-crime-verbrechen-in-der-kunst-100). Kein Experte hat es gemerkt. Ein Vorgang, der nur durch einen Akt „visueller Empathie“ erklärbar ist. Solch ein Bild, das in puncto Wahrheit verführen will, auch immer wieder verführt hat, ist die Zukunft. Aber warum handeln wir so? Eine Antwort: Wir wollen zu gern glauben, dass dies oder jenes die Zukunft ist. Und übersehen die „kleinen“ Webfehler. Hinterher ist dann klar: Wie konnte ich! Oder: Ich versteh mich selbst nicht

Face-to-face: Charlie

Wir kennen den Clown Charlie. Den mit den riesigen Schuhen, dem Stöckchen, dem Bärtchen und der Melone.  Kinder kennen ihn. Kinder lachen über ihn. Wie sie im Zirkus lachen. Der tolpatschige Clown wird fortan begleitet vom gewitzten Clown, der Autoritäten narrt, ihnen immer wieder entwischt, und sei es durch die Lücke im Lattenzaun.

Erwachsene kennen dann auch den sozialkritischen Charlie, der mehr Opfer als Täter ist, und durch die Mühle der industriellen Arbeitsverhältnisse gedreht wird.

Der politische Charlie schliesslich findet sein Gegenüber ausgerechnet im grossen Diktator Hitler. Den Protagonisten der Rassentrennung karikiert er in seiner ässerlichen Ähnlichkeit mit der Figur Charlie. Was für Charlie mutige Anverwandlung ist, ist für den grossen Diktator todeswürdige Anmassung.

Aus dieser Handlung des Films tritt Charlie Chaplin mit einer Rede heraus, die über die Massen bekannt, ja berühmt, wurde. Er hält diese Rede als jüdischer Friseur, der mit dem Diktator verwechselt wurde. (Text: https://weites.land › der-grosse-diktator-die-beruehmte-rede-charly-chaplin; Youtube Schlussrede Der grosse Diktator).  

Gleich zu Anfang die Sätze: „Wir wollen nicht hassen und uns nicht gegenseitig verachten. In dieser Welt gibt es Raum für alle, und die gute Erde ist reich und vermag einem jeden von uns das Notwendige zu geben.“ In aller Direktheit packt Charlie so die Stiere Hass und Neid „bei den Hörnern“, so dass auch Kinder es verstehen.

Chaplin war Medienprofi. Wenn er Armut (Hunger) und Mitleid (Blumenmädchen) thematisiert, scheut er die sozialromantische Darstellung nicht, überspielt sie andererseits aber auch und macht aus dem Hungerleiden eine Feinschmeckerszenerie. Chaplin beherrscht  die Mittel und Mechanismen der künstlerischen Darstellung. In der Doppelrolle Friseur und Nazi steigt er diesen beiden Rollen aus. Gerade der doppelte Ausstieg macht ihn glaubwürdig und befreit die Rede von aller Professionalität. Chaplin hat den Film selbst finanziert.